Freitag, April 28, 2006

Blödsprech oder Fachjargon?

Die IT-Branche ist weitgehend bekannt für eine sehr eigene Sprache. Besondere Merkmale: Abkürzungen, Akronyme, Anglizismen. Solche fiesen Wörter wie "gedownloadet" sind in aller Munde und ich spreche mich selbst nicht davon frei, so etwas auch ab und an zu benutzen.



Doch seit ich vor ein paar Jahren begann, bei der Bank zu arbeiten, ist mir eine neue Klasse von Wörtern aufgefallen, bei deren Verwendung ich mich jedesmal im noch nicht geschaufelten Grab herumdrehe. Zurzeit enthält diese Klasse drei Wörter, doch ich fürchte, dass sich die Liste mit ein wenig Recherche noch verlängern lässt:




  • stati: Küchenlatein für den Nominativ Plural von status. Nein, nein, nein, nicht alle lateinischen Wörter auf "-us" werden mit "-i" pluralisiert. Auch wenn's noch so lateinisch klingt. Und wem es zu doof ist, "statuuuus" zu sagen (mir zum Beispiel), der möge doch das schöne Wort Zustände verwenden.


  • benamsen: Wer mir einen wirklich nachvollziehbaren semantischen Unterschied zu benennen erklären kann, kriegt ein Bier und meine Hochachtung.


  • Datümer: Als Plural von Datum. Die korrekte Form Daten ist gerade im informatischen Zusammenhang mehrdeutig und wird dort gerne vermieden. Ich verwende als Ersatz Datumsangaben. Hierzu gibt es sogar einen Wikipedia-Eintrag.



Womöglich handelt es sich bei dieser kleinen Liste auch gar nicht um Achtlosigkeit im Umgang mit der Sprache, sondern um einen sehr speziellen Code, der als Fachjargon seine eigenen semantischen und grammatischen Regeln aufweist. Ich kann nur hoffen, dass es so ist und dass ich mich mit der Verweigerung dieser Ausdrücke unfreiwillig an den Rand meiner eigenen peer group platziert habe. Bis das bewiesen ist, halte ich es mit der Gruppe Deichkind:



Hamburg dies, Hamburg das, Hamburg Fachjargon,

Nicht so wischi-waschi wie im Waschsalon.

Kommentare:

Eckart hat gesagt…

Benamsen verwende ich sehr gerne, weil es so schön lustig klingt und in der stillen Annahme, dass doch bitteschön jeder weiss, wie es richtig heisst.

Ähnliches dachte ich, als ich das Wort "Datümer" das erste Mal (in der Westfälischen Sparkassenlandschaft) hörte. Als ich diese Unform aber kurze Zeit später auch in Schriftform präsentiert bekam, musste ich es einsehen, dass es ernst gemeint war.

In Anlehnung an meine obige Argumentation ist in diesem Falle wohl "Datumse" zu bevorzugen. Der Wikipedia-Artikel hierzu ist noch zu schreiben.

Georg hat gesagt…

Benamsen, lieber Ala, solltest Du schon während des Studiums in Osnabrück kennengelernt haben, weil es dort von den Lehrenden auch hochfrequent benutzt wurde (z.B. von CRR und KUC). Zudem bin ich fest davon überzeugt, dass auch Axel T. Schreiner dieses Wort gelegentlich benutzt hat (wo ich gerade wieder an ihn denken musste: dieses Bild, wie ATS den Overhead-Projektor mit dem darauf befindlichen Ordner langsam aber stetig mit HPB im Schlepptau durch die Flure der Osnabrücker Informatik schiebt, werde ich wohl nie aus meinem Gehirn verbannen können). Hingegen habe ich Datümer (bzw., Eckart, Datumse) und Stati habe ich noch nie gehört. Diese Nomina dürften aller Wahrscheinlichkeit nach bankspezifisch sein (und gerne von Männern mittleren Alters benutzt werden, die etwas zu häufig Motivkrawatten tragen).

Alexander hat gesagt…

Eckart: Zu "Datumse" verweise ich auf den verlinkten Wikipedia Artikel, dort ist es als weitere Unform zu "Daten" vermerkt.

Alexander hat gesagt…

Georg: Benamsen fand ich wohl so schrecklich, dass ich es direkt aus aktivem und passivem Wortschatz gestrichen habe. Klingt eher ie etwas, das Tierärzte machen.

Das ATS Bild ist übrigens wirklich erinnernswert. Auch der rituelle Batteriewechsel (waren es sechs oder acht AA-Batterien?) im Laserpointer war typisch. Am typischsten hingegen ist das Schütteln des rechten Handgelenks, um das goldene Arm-Kettchen aus dem Einflussbereich der Tastatur oder Maus zu bewegen.

Datümer-Ungetümer sind mir das erste Mal bei der Bank begegnet, aber stati kannte ich sogar schon vorher, das erste Mal habe ich es bei einem ehemaligen Kunden des ehemaligen Arbeitgebers gehört.