Samstag, Februar 18, 2006

Warum ich demnächst umziehe (Teil 2)

Man lernt im Leben ja nie aus; manchmal ist das Lernen sogar schmerzhaft. Gestern habe ich dank meiner Nachbarin ein paar Dinge gelernt, die sehr wertvoll sind. Wiederum lasse ich Euch an meinem Erfahrungsschatz teilhaben und hoffe, dass auch Ihr etwas davon habt:


  • Falls Ihr gerne laut Musik hört, ist es keine gute Idee, schon Samstag morgens um 6 Uhr damit anzufangen; besonders wenn das eine halbe Woche lang schon so läuft.

  • Wenn Ihr trotz dieser Warnung nicht auf die Musik verzichten könnt, und auf einmal zwei Polizisten vor der Tür stehen, um sich mit Euch zu unterhalten, lasst sie besser rein und hört Euch die Argumente an. Sonst werden sie misstrauisch und holen Verstärkung.

  • Es ist keine gute Idee, die Polizei nicht reinzulassen, sich stattdessen auf den Balkon zu stellen und den Wachtmeistern von oben zuzurufen "Ich mach die Tür nicht auf, ich mach die Tür nicht auf". Dann kann es passieren, dass die Polizisten damit drohen, die Feuerwehr zu rufen. Außerdem fühlen sie sich in einem solchen Falle in
    ihrer Autorität angegriffen.

  • Wenn sich dann die Anzahl der Polizisten verdoppelt und man seine Felle schwimmen sieht, sollte man dringend(!) davon Abstand nehmen, vom Balkon aus mit Porzellan nach den Polizisten zu werfen. Wirklich! Das ist keine gute Idee.

  • Sollte man das trotzdem versuchen wollen, muss man sehr zielgenau alle vier Polizisten treffen, ansonsten ist die Gefahr groß, dass die Ordnungshüter sich wiederum verdoppeln und dann mit vier Wagen vor dem Haus stehen. Sie sind dann sehr, sehr wütend.

  • Wenn die Polizisten sehr, sehr wütend sind, kann es passieren, dass sie keinen Spaß mehr verstehen, einen aus der Wohnung holen und mit angelegten Handschellen zu einem ihrer Autos führen, um auf der Polizeiwache ein klärendes Gespräch zu führen. Zwar sind solche Betriebsführungen immer sehr interessant, aber vielleicht möchte man
    das doch lieber unter anderen Umständen erleben.

  • Ach ja: Es kann sein, dass den Nachbarn eine solche Aktion nach dem Trubel der letzten Tage ein innerer Reichsparteitag ist und dass sie das Geschehen im Bilde festhalten und im Blog publizieren.



Ich hoffe, dass Ihr einen Teil dieser Erfahrungen selbst in der
Zukunft mal nutzen könnt und davon profitieren werdet!

Freitag, Februar 17, 2006

Warum ich demnächst umziehe (Teil 1)

"Stark raving mad" sind wohl die drei treffenden Wörter, um meine
Nachbarin zu beschreiben.



Nachdem sie mich in der Nacht von Montag auf Dienstag zweimal mit
lauter Musik geweckt hat und ich daraufhin den Dienstag eher
zombie-mäßig vor Schlafwandel durch die Gegend gelaufen bin, hat sie
nun angefangen, das Haus anzuhübschen. Ein kleines Delphin-Figürchen
aus Porzellan sollte sich jeder auf seinen Briefkasten stellen. Auch
das Arrangement aus "Rose, falsch gehender Uhr und Stoffpüppchen" auf
der Fensterbank am Treppenabsatz ist herzallerliebst.



Doch als ich ihr heute die Wolldecke, die der Wind von ihrem Balkon
auf meinen geweht hat (aber wer hängt auch schon im Februar Wolldecken
auf den Balkon?), vor die Tür legen wollte, fand ich dort ein Ensemble
vor, das sowohl in Auswahl als auch Anordnung nicht zu toppen ist.





Ein wenig später kam "l'imbecile" nach Hause und das Programm ging
richtig los: Brutal laute Musik (aber kein Hartmut Engler...) und auf
einmal senkte sich ein lustiges, mit Fischmotiven geschmücktes
Badehandtuch von ihrem Balkon herunter, bis es vor meinem Fenster
flatterte. Toll, wenn man sich fühlt wie im Aquarium.



Dann sah ich sie, wie sie anfing, den Gehweg zu dekorieren. Wiederum
mit hübschen Stofftieren. Doch auf einmal waren die wieder weg,
stattdessen fing in der Wohnung über mir eine Schimpfkanonade bester
Manier an. Aber so richtig. Als ich mal kurz aus der Wohnung geschaut
habe, stellte ich fest, dass die ganzen Verhübschungen wieder
verschwunden waren.



Gestern morgen sprach ich eine andere Nachbarin an, die sagte, dass
wohl am Vorabend die Polizei dagewesen wäre, wegen des Mülls auf dem
Gehweg. Dann dämmerte es mir: Polizei -> Aufforderung zur
Verhübschungsentfernung -> Geschrei.



Gestern abend war es dann friedlich, vermutlich ist sie eingewiesen
worden (kein Scherz).



Epilog: Sie hat dennoch eine kleine Verhübschungsnische gefunden, wo
die Polizei nicht hinschaut: unser Kellereingang. Doch seht selbst!