Freitag, März 31, 2006

Warum ich demnächst umziehe (Prequel)

Ende Januar 2006, etwa drei Stunden, bevor der FC St. Pauli die Bremer mit 3:1 aus dem DFB-Pokal kickt:



Herr F., brennt es bei Ihnen?


frage ich den Nachbarn von unten, der in einer fetten, schwarzen Rauchwolke etwas bedröppelt in seiner Wohnungstür steht. Eine eher ungewöhnliche Frage, legt sie doch nahe, dass der Mann nicht so richtig weiß, was in seiner Wohnung vor sich geht. Und doch gibt's eine gewisse Dringlichkeit in meiner Stimme, bin ich doch eine Viertelstunde lang wie ein Irrer durch meine Wohnung gerannt, um die Quelle des immer stärker werdenden Rauchgeruchs ausfindig zu machen.



Keine Chance bei mir etwas zu finden. Der Toaster war als erster verdächtig, ist aber einwandfrei schuldlos. Auch sonst gibt's nichts und niemand in der Küche, das schwelen oder brennen könnte. Erst als ich den Unterschrank unter der Spüle aufmache, um den Heißwasserbereiter zu inspizieren, schlägt mir der Gestank entgegen. Seit der Vermieter neue Wasserleitungen hat legen lassen, ist in diesem Unterschrank immer ein wenig Geruch aus der Wohnung von unten. Also schnell runter zum Nachbarn. Klingeln nützt nichts, niemand öffnet. Der schnell herbeigeholte Hausmeister sieht von draußen, dass in der Wohnung im Erdgeschoss Licht brennt und der Fernseher läuft, also klingeln wir erneut, diesmal zu zweit. Die Tür öffnet sich, die Frage wird gestellt.



Ääääh, ja, hier in der Küche brennt's.


Spricht's, verschwindet in der Küche und sagt nichts mehr. Ob er Hilfe brauche? Neinnein, geht schon. Aha. Der Rauch hat sich mittlerweile schon im Treppenhaus verteilt. Es riecht wirklich nicht gut hier. Aber die Gefahr ist gebannt. Der Hausmeister weiß auch nicht mehr, was noch zu tun ist und trollt sich. Ich gehe wieder nach oben, reiße die Fenster auf und packe alles, was an Kleidung im Flur hängt, ins Schlafzimmer. Dann ab ins Stadion, die erste Halbzeit sehe ich allein, da ich meinen Kumpel B. im Getümmel der Nordkurve nicht finde.



Konsequenz aus Herrn F.s Schusseligkeit: Drei Tage lang eine ausgekühlte Wohnung, eine Woche Rauchgeruch. Ach ja, irgendjemand Interesse an einer kaum gebrauchten Flasche AIRWICK Anti-Tabac (Bekämpft Tabakgerüche) mit verbleibenden sieben Wochen Wirkungsdauer? Bitte Kommentar hinterlassen, die Übergabe lässt sich bis zum 20.04. organisieren. Beim Umzug wandert die Flasche in den Müll.

Donnerstag, März 30, 2006

Warum ich demnächst umziehe (Teil 3)

Schrieb ich gestern von Nachkaufdissonanzen? Wie weggeblasen! So schnell kann's gehen.



Um 2:09 Uhr in der Nacht saß ich mal wieder steil in den Kissen, da mich von oben die schon bekannte NDR1-taugliche Schlagermusik aus dem Schlaf gerissen hat. "Oh bitte, bitte, bitte nicht" war mein erster Gedanke. Der zweite Gedanke war, dass ich dieses Mal direkt und selbst für Ruhe sorgen wollte, anders als beim letzten Mal, als die Ordnungshüter die Drecksarbeit für mich erledigt haben.



Schnell in die Jeans gehüpft, Schlüssel gegriffen und eine Etage nach oben marschiert (den Schallwellen entgegen). Langsam beginne ich, bei der Nachbarin Muster zu erkennen. Auf der Fußmatte waren schon wieder leichte Verhübschungsapplikationen zu sehen, wenn auch nur im Anfangsstadium: Zwei drapierte Postkarten und ein (nicht brennendes) Teelicht.



Nach einem beherzten Druck auf die Türklingel von mehreren Sekunden Länge ging die Musik auch schnell aus. Die Tür ging nicht auf, sodass ich die Nachbarin nicht zur Rede stellen konnte. Zurück im Bett war zwar die Musik aus, aber auf einmal war ich so hibbelig, dass ich eine Dreiviertelstunde brauchte, um wieder einzuschlafen.



Heute morgen habe ich gesehen, dass die Muster sich nicht nur auf die Verhübschung der Fußmatte beschränkten, sondern auch wieder Dinge zum "Trocknen" auf dem Balkon aufgehängt waren. Ich nehme an, dass das so eine Art Kriegsflagge ist, die gehisst wird, wenn sie gegen die Vorstellungen der guten Sitten und des guten Geschmacks kämpft.



Ich ziehe ja aus! Kann sie nicht wenigstens erst wieder verrückt werden, wenn ich in drei Wochen aus sicherer Entfernung die anderen Bewohner des Hauses bedauern kann?

Mittwoch, März 29, 2006

Nachkaufdissonanzen

Im Marketing gibt es den Fachbegriff der "Nachkaufdissonanzen". Den englischen Begriff Buyer's remorse (remorse = Reue) finde ich allerdings einleuchtender. Hatte jeder schonmal, der sich etwas gekauft hat: Es ist das Gefühl, bei einem Kauf die falsche Entscheidung getroffen zu haben.



Heute habe ich den Schlüssel zu meiner neuen Wohnung erhalten. Doch kaum, dass die extra-schnuckelige Mitarbeiterin der Hausverwaltung die Wohnung verlassen hatte, setzten wieder massive Zweifel ein, ob das nun wirklich das Wahre ist. Was kann man sich über Kleinigkeiten Gedanken machen. Zum Beispiel ob das kleinste Zimmer der Wohnung nun das Schlafzimmer wird oder vielleicht doch lieber der große Raum, der nach hinten raus geht. Doch wer braucht schon ein so großes Schlafzimmer? Dafür ist es nach vorne aber etwas lauter, denn die kleinen Seitenstraßen der Fuhlsbüttler Straße sind doch nicht so leise wie gedacht. Zum großen Innenhof hin ist aber das Rauschen des Ring 2 ein wenig durchdringender. Ach Hilfe, als ob nicht beides Dinge wären, an die man sich schnell gewöhnen kann. Erst etwas später fiel mir ein, dass ich mich mit den beiden Handwerksbetrieben im Hinterhaus der aktuellen Wohnung auch halbwegs arrangiert habe. Oder mit dem beschaulichen Rhein-Ruhr-Aiport in 2 km Entfernung (Luftlinie, haha) des Hauses, in dem ich aufgewachsen bin.



Dann wieder das leidige Thema Küche: Passt hier wirklich alles rein? Geht das alles so auf, wie ich es mir vorgestellt habe? Und wie bringe ich die Geräte unter? Leute jenseits jeder handwerklichen Affinität sollten sich bei so etwas wirklich keinen Kopf machen. Irgendwas wird immer gehen. Nach einer Stunde Gegrübel hatte ich immerhin eine Idee, die ich nächste Woche mit dem freundlichen jungen Mann besprechen werde, den ich mir für die handwerklichen Dinge ins Haus hole.



Wenn ich an meine letzten Wohnungen erinnere, kann ich mich nicht erinnern, ebenfalls so hin- und hergerissen gewesen zu sein -- obwohl die Wohnungen sowohl hier in Hamburg als auch vorher in Osnabrück alles andere als perfekt waren und es allen Grund gegeben hat, chronisch unzufrieden zu sein. Bleibt die Hoffnung, dass der Spaß an einer neuen Bleibe und die Gewöhnung an die Kleinigkeiten die "buyer's remorse" mit der Zeit überdecken.

Sonntag, März 26, 2006

Eselsbrücke für die Zeitumstellung

Sommerzeit gibt es, solange ich mich zurückerinnern kann. Ebenso lange kann ich mir beim besten Willen nicht merken, ob man im März die Uhr vor- oder zurückstellt, und in welche Richtung es im Herbst geht. Für viele bestimmt ganz einfach, aber ich habe da eine echte Blockade. Das will in den Kopf nicht rein.



Das ist nun zum Glück vorbei, denn die Freundin in Kanada hat mir die perfekte Eselsbrücke verraten. Die ist so einfach, dass ich sie mir gut merken kann. Und falls ich sie trotzdem vergesse, schreibe ich sie hier rein, dann kann ich in ein paar Monaten nochmal nachschauen.



Der kleine Hilfssatz lautet:



Spring forward, fall back.

Samstag, März 25, 2006

Manchmal muss man doch auf Geschwister hören

Na klasse. Da muss erst mein kleiner Bruder kommen und mich darauf aufmerksam machen, dass es gar nicht "Miszellanzen" sondern "Miszellaneen" sind, über die ich hier im Blog schreiben möchte. Da verwende ich einmal im Leben ein Fremdwort und dann passiert sowas.



Zum Ausgleich sei an dieser Stelle ein Betriebsgeheimnis großer Geschwister verraten: Niemals auf kleine Geschwister hören. In Sonderfällen kann man aber eine unabhängige Meinung einholen -- also Google. Das ergab:





Selbstbeobachtung hierbei: Selbst der ausgebildete Sprachwissenschaftler greift nicht mehr zum Wörterbuch (das viel zu weit weg hinter mir im Regal steht), sondern fragt das nahezu allwissende Weborakel. Das ist eine sehr demokratische Art, sich über die Orthographie klar zu werden. Die Variante, die mehr Treffer aufweist, gewinnt.

Freitag, März 24, 2006

Navigation aus größerer Flughöhe

Gerade festgestellt: Nach einer Stunde intensiven Herumspielens mit Google Earth ist mein Sinn für die Navigation im Webbrowser total im Eimer. Genauso, wie man in Google Earth das Mausrad verwendet, um sich interessanten Plätzen zu nähern (reinzoomen) oder sich wieder auf eine größere Flughöhe herausbewegt, versuche ich, auch in anderen Kontexten Informationen zu fokussieren. Zum Beispiel bei Spiegel Online: Ich ziehe den Mauszeiger auf ein Foto, drehe das Mausrad nach hinten und... nicht das Foto (oder der Artikel) wird herangezoomt, sondern die Seite schiebt sich nach unten. Im ersten Moment ist das etwas verstörend, aber es ist natürlich die vollkommen erwartete Funktionsweise des Browsers. Zwei Gedanken dazu:





  • Erstaunlich, wie extrem lernfähig man ist. Über Jahre antrainierte Bewegungen und Verhaltensweisen werden durch eine nur kurze Zeit mit einer anderen Software ausgehebelt. Und das, obwohl sich die andere Software in einer komplett anderen Domäne bewegt (Satellitenbilder vs. Webseiten).


  • Wenn diese Transferleistung tatsächlich so naheliegt, wäre es doch mal ein Experiment wert, diese Art von Navigation auf ihre Usability hin genauer zu überprüfen. Apple macht es in MacOS X ähnlich, wenn sie alle Fenster des Desktops verkleinern und auf einmal sichtbar machen (größere Flughöhe) und mit einem Klick das ausgewählte Fenster wieder vergrößern (heranzoomen).




Kann das bitte mal jemand anderes ausprobieren und mir sagen, ob auch andere Testpersonen solche Erfahrungen machen?

Mittwoch, März 22, 2006

Vorurteile pflegen mit Google Earth

Seit ich im vergangenen Jahr Google Earth entdeckt habe, habe ich auch ein neues Hobby gefunden: Flughäfen erforschen. Bei einer der Expeditionen bin ich auf ein hübsches Bild gestoßen.





Auf welchem europäischen Hauptstadtflughafen befindet sich dieses liebevolle Arrangement von Flugzeugen?



  • London

  • Berlin (Tegel)

  • Roma



Kleine Hilfestellung: Wer würde so parken?


Mich würde es nicht wundern, wenn mindestens eins der Flugzeuge mit hektischem Warnblinker davon zeugen würde, dass der Halter "nur mal kurz" in die Trattoria nebenan verschwunden ist.

Montag, März 20, 2006

Stadtteiltypische Straßenmöblierung

Wenn es auf der Welt einen Ort gibt, der so cool ist, dass sogar die Mülleimer Piercings tragen, dann ist es St. Pauli. Gesehen im Treppengebäude des alten Elbtunnels.



Kalauer (im Schlaf ausgedacht)

Manchen Menschen kommen die besten Ideen im Schlaf. Mit so etwas bin ich nicht gesegnet. Noch nie öffnete ich die Äuglein und hatte das Gefühl: "Bingo, das ist es". Schade, denn das ist bestimmt eine effiziente Art, Probleme zu lösen.



Gestern morgen war ich nach dem Aufwachen völlig verstört, weil ich mir das erste Mal in einem Traum einen Witz ausgedacht habe. Es würde den Rahmen sprengen, hier den gesamten Kontext des Traums sowie die beteiligten Personen aufzuzählen, daher werde ich mich hier auf das wesentlichste beschränken: Die Situation war auf dem Schulhof meines Gymnasiums, beteiligt war eine mir unekannte Mitschülerin und Herr Pache, der ehemalige Hausmeister.



Sie: Können wir die Sachen so einpacken, oder wollen Sie Geld dafür haben?

Herr Pache: Kompakt


Kein echter Brüller, aber vielleicht ein Anfang. Immerhin musste ich nicht lange darüber nachdenken.

Freitag, März 17, 2006

Verben als Bedeutungsträger einer sprachlichen Äußerung

Gestern am Barmbeker Bahnhof: Eine Frau mittleren Alters ruft, von der Bushaltestelle kommend, die kurze Treppe hinauf:
"Komm, Mutti, beeil Dich. Ich will noch einen Transvestiten [...]"

Das Verb habe ich dann leider nicht mehr verstanden. Schade. Hätte mich schon interessiert, was sie mit dem/der noch vorhatte.