Mittwoch, März 29, 2006

Nachkaufdissonanzen

Im Marketing gibt es den Fachbegriff der "Nachkaufdissonanzen". Den englischen Begriff Buyer's remorse (remorse = Reue) finde ich allerdings einleuchtender. Hatte jeder schonmal, der sich etwas gekauft hat: Es ist das Gefühl, bei einem Kauf die falsche Entscheidung getroffen zu haben.



Heute habe ich den Schlüssel zu meiner neuen Wohnung erhalten. Doch kaum, dass die extra-schnuckelige Mitarbeiterin der Hausverwaltung die Wohnung verlassen hatte, setzten wieder massive Zweifel ein, ob das nun wirklich das Wahre ist. Was kann man sich über Kleinigkeiten Gedanken machen. Zum Beispiel ob das kleinste Zimmer der Wohnung nun das Schlafzimmer wird oder vielleicht doch lieber der große Raum, der nach hinten raus geht. Doch wer braucht schon ein so großes Schlafzimmer? Dafür ist es nach vorne aber etwas lauter, denn die kleinen Seitenstraßen der Fuhlsbüttler Straße sind doch nicht so leise wie gedacht. Zum großen Innenhof hin ist aber das Rauschen des Ring 2 ein wenig durchdringender. Ach Hilfe, als ob nicht beides Dinge wären, an die man sich schnell gewöhnen kann. Erst etwas später fiel mir ein, dass ich mich mit den beiden Handwerksbetrieben im Hinterhaus der aktuellen Wohnung auch halbwegs arrangiert habe. Oder mit dem beschaulichen Rhein-Ruhr-Aiport in 2 km Entfernung (Luftlinie, haha) des Hauses, in dem ich aufgewachsen bin.



Dann wieder das leidige Thema Küche: Passt hier wirklich alles rein? Geht das alles so auf, wie ich es mir vorgestellt habe? Und wie bringe ich die Geräte unter? Leute jenseits jeder handwerklichen Affinität sollten sich bei so etwas wirklich keinen Kopf machen. Irgendwas wird immer gehen. Nach einer Stunde Gegrübel hatte ich immerhin eine Idee, die ich nächste Woche mit dem freundlichen jungen Mann besprechen werde, den ich mir für die handwerklichen Dinge ins Haus hole.



Wenn ich an meine letzten Wohnungen erinnere, kann ich mich nicht erinnern, ebenfalls so hin- und hergerissen gewesen zu sein -- obwohl die Wohnungen sowohl hier in Hamburg als auch vorher in Osnabrück alles andere als perfekt waren und es allen Grund gegeben hat, chronisch unzufrieden zu sein. Bleibt die Hoffnung, dass der Spaß an einer neuen Bleibe und die Gewöhnung an die Kleinigkeiten die "buyer's remorse" mit der Zeit überdecken.

Kommentare:

Georg hat gesagt…

Huh? "mit dem freundlichen jungen Mann besprechen werde, den ich mir für die handwerklichen Dinge ins Haus hole."?

Ich bin mal so frei, präventiv (und prophylaktisch) noch etwas mehr Holz auf das buyer's remorse Feuer zu werfen: Hast Du schon mal überlegt, das Geld, das Du für einen Handwerker veranschlagen musst, in einen Werkzeugkasten, eine Wasserwaage, einen Akkuschrauber, eine Stichsäge und eine Bohrmaschine zu investieren? ;-)

Eckart hat gesagt…

.. nicht zu vergessen den Koffer mit dem hübschen roten Kreuz drauf.

Support your local Handwerker!

Die Nachkaufdissonanzen geben sich ja meist über die lange Distanz: wenn erstmal das erste Bild hängt und die Blümchen auf dem Tisch stehen ..

Psychologisch geschickt übrigens, im Frühjahr umzuziehen: Man denkt dann automatisch, dass die neue Wohnung heller ist als die alte.

Alexander hat gesagt…

Georg: Das Problem ist ja, dass ich einen Werkzeugkasten, eine Wasserwaage und sogar eine Bohrmaschine habe. Was soll ich mit jeweils zwei Exemplaren?

Im Ernst: Ich habe zu solchen Dingen einfach keine Lust. Mir macht es viel mehr Spaß, zu organisieren, dass alles so aussieht, wie ích es haben will. Habe kaum Ehrgeiz, sowas selbst zu machen.

Außerdem soll Sascha vor allem anstreichen.

Georg hat gesagt…

Eckart: Wow, sensationelle Beobachtung, was den Umzug im Frühjahr angeht.

Ala: Natürlich braucht Mann zwei Bohrmaschinen, eine kleine für Holz und eine große mit Hammer für Beton. Gilt auch für Wasserwaagen (eine lange und eine kurze), aber nicht für Akkuschrauber und Stichsäge. Und jetzt ab zum Baumarkt, husch husch. Und wenn Du das Organisieren so sehr magst, dann mach doch keine halbe Sachen (Sascha zum Streichen) -- engagier eine Innenarchitektin!

Stöcki hat gesagt…

Mensch Alex, ich wusste ja gar nicht, dass Du mal in Osnbrück gewohnt hast... Und ich hoffe nach unserem heutigen Mittagslunch, dass Du die Wohnung nicht ausschliesslich wegen der netten Hausverwalterin genommen hast???!!! ;-)))
Liebe Grüße
Nicole

Alexander hat gesagt…

Nicole: Stimmt! Über Osnabrück haben wir noch gar nicht gesprochen. Du hast ja auch mal dort gewohnt. Dann haben wir ja etwas zu erzählen, wenn wir uns beim nächsten Mal sehen. Und was die Hausverwalterin angeht: Extrem süß und trotzdem zickig gehen gut einher...