Sonntag, September 10, 2006

Sind wir Papst?

Ein kurzer Gedanke, der mir vor einiger Zeit mal in den Kopf flog und der anlässlich des Papstbesuchs eine gewisse Aktualität hat: Haben wir wirklich einen deutschen Papst? Oder noch prägnanter: Ist der Papst wirklich Deutscher?



IANAL, aber ist es nicht so, dass es im deutschen Rechtssystem keine doppelte Staatsbürgerschaft gibt? Wenn das so ist, dann müsste man doch mal schauen, wie der Vatikan das handhabt. Der Papst ist Staatoberhaupt des Vatikans, folglich wird er höchstwahrscheinlich die vatikanische Staatsbürgerschaft haben (Wenn ich Staat wäre, würde ich es schon zur Bedingung machen, dass mein Staatsoberhaupt auch meine Staatsbürgerschaft hat.). Da ist das Dilemma: Es gibt für Deutsche keine doppelte Staatsbürgerschaft (außer bei manchen durch Geburt), und wenn der ehemalige Herr Ratzinger Präsident des Vatikans ist, kann er -- nach meinem laienhaften Verständnis -- auch keine deutsche Staatsbürgerschaft haben.



[Etwas später] Habe gerade die Verfassung des Vatikans ausgegraben und festgestellt, dass dort keine Aussagen getroffen werden, die meiner Überlegung dienlich sind. Die Verfassung sagt nichts aus über die Staatsbürgerschaft des Papstes. Interessant ist aber Artikel 1, Absatz 1:



Der Papst besitzt als Oberhaupt des Vatikanstaates die Fülle der gesetzgebenden, ausführenden und richterlichen Gewalt.


Gewaltenteilung irgendjemand? Mir war schon klar, dass die katholische Kirche keine basisdemokratische Veranstaltung ist. Ansonsten hätte ich mich mit dem Austritt auch etwas schwerer getan. Aber nach einer Verfassung wie dieser würde sich jeder Diktator und Despot die Finger lecken. Sogar Weißrussland gibt sich da -- auf dem Papier -- demokratischer.

Kommentare:

Georg hat gesagt…

Wenige Tage nach der Papstwerdung Ratzingers gab es bei Spiegel Online einen Artikel zu exakt dem von Dir beschriebenen Problem der doppelten Staatsbürgerschaft. Leider kann ich mich nicht an die Details erinnern, so dass dieser Kommentar an und für sich vollkommen obsolet ist.

Um dennoch etwas Produktives beizusteuern, weise ich jedoch auf die wunderbare Entität – hin, die das Zeichen – produziert. Menschen, die Bücher von Jan Tschichold besitzen, sollten dieses Zeichen dem schnöden -- vorziehen.

Georg hat gesagt…

Aus Gründen, die sich mir zu dieser Uhrzeit vollkommen verschließen, wird – in dem ersten Kommentar nicht als typografisch ansprechender Halbgeviert-Strich dargestellt. Sei's drum.